Wikipedia im Kopf

In einem Interview habe ich davon gesprochen, dass es eine Wikipedia in Zukunft vielleicht nicht mehr nur am Bildschirm vor einem betrachtet werden kann, sondern dass Wissensinhalte auf ausgelagerten Servern als integraler Bestandteil mit menschlichen Gehirnen synchronisiert werden könnten.

Die Frage daraufhin:

Braucht es nicht kristalline Intelligenz für die “Wikipedia im Kopf”? Das ist sowieso meine große Frage betreffend dieser Wissensansammlung im Körper, die ja wertlos ist ohne unsere Fähigkeit sie mit unseren Erfahrungen zu verknüpfen.

Abgesehen davon, dass “Intelligenz” so mit als das schwammigste Konstrukt überhaupt in der ganzen Psychologie gilt, muss man die Fragestellung wohl auch zuerst ein wenig aufdröseln. Wenn wir also von einer Mensch-Maschine Verschmelzung im Sinne einer kollektiven Auslagerung von Wissensbeständen sprechen, so muss erstmal geklärt werden auf welcher Ebene das Ganze stattfinden könnte. Also wie sieht die Schnittstelle zur Integration aus – diese kann auf unterster Ebene elektro-neuronal sein (also direkte Anbindung ans Nervensystem und somit ans Gehirn), sie kann aber auch über extern tragbare Devices wie zum Beispiel über Google Glass ansatzweise realisiert werden (Thad Starner erklärt das hier ganz schön).

Ich will erstmal bei dem zweiten Fall, also den extern tragbaren Devices bleiben, da sich dies momentan schon ganz gut nachvollziehen lässt. Man könnte sich also folgendes Szenario vorstellen:

Man sitzt zusammen, diskutiert ein Thema und ein intelligentes wearable verfolgt den Redefluss und blendet Zusatzinformation an geeigneten Stellen visuell ins Sichtfeld ein. Das ist gar nicht so weit entfernt von dem was viele von uns heute auch schon machen, indem sie nebenher im Gespräch auf der Wikipedia nach etwas suchen und dies dann hinterher in die Diskussion miteinbringen – nur mit dem Unterschied, dass alles in Echtzeit (also während dem Sprechen) erscheint und sofort als “eigener” Inhalt mitverwendet werden kann.

Erfolgt diese Integration also so fließend, sodass man keine extra Unterbrechung zum Nachschauen machen muss, ist zwischen kollektiv und individuell, erfahrungsbasierten Wissensinhalten (genauer Faktenwissen) von außen nicht mehr zu unterscheiden.

Im Falle von Wikipedia sprechen wir ja auch eher von Faktenwissen und nicht so sehr von prozeduralem Wissen (also, Wissen welches unseren Handlungen und Prozessen zunutze kommt). Bei Faktenwissen ist dann auch keine zwangsweise Verknüpfung mit Erfahrungen nötig (was jedoch immer von Vorteil ist). Dieses Wissen könnte über entsprechende Algorithmen, die über Spracherkennung die Kontexte der Unterhaltung erkennen, punktuell Vorschläge machen und zu einer vertiefenden Diskussion beitragen.

Kristalline Intelligenz, also die Intelligenz, die auf unseren Erfahrungen im Leben beruht und nicht als fluide Intelligenz angeboren ist, entwickelt sich ja gerade durch die Interaktion mit unserer Umwelt. Ich würde daher argumentieren, dass ausgelagertes, kollektives Faktenwissen welches nahtlos in uns integriert wird und dadurch automatisch mit den jeweiligen Kontexten verknüpft wird, als Teil einer kristallinen Intelligenz angesehen werden kann. Sie ist dann eben nicht mehr individuell, sondern kollektiv erzeugt.

 

Why Waschsalon?

Heute hatte ich mein erstes mal – Waschsalon. Und es war gut.

Diese 30 – 40 Minuten Schleudergang und der Internetzugang über den Freifunk Potsdam, bieten eine gute Möglichkeit um kurze Blog-Notizen und Gedankengänge aufzuschreiben. In letzter Zeit bekam ich aus unterschiedlichen Ecken, Mails und Anfragen mit sehr interessanten Fragestellungen bezüglich der Mensch-Maschine Verschmelzung.

Ich möchte diese Anstöße nicht nur meinem Postfach und mir zugänglich machen, sondern habe vor die regelmäßigen Waschgänge nun dafür zu nutzen diese Anregungen hier zu bloggen und damit zur offenen Diskussion/Einsicht zu stellen.