Der kybernetische Anthropozän in Gaia

_- Disbalance
hier ist [ziemlich] etwas außer balance. insgesamt, global – kosmisch trau ich mich nicht zu sagen. keine zwei waagschalen von denen eine nach unten, die andere das proportional entsprechende stück nach oben hängt.

so einfach ist es nicht.

es ist nicht simpel, nicht kompliziert – es ist komplex. und dennoch offensichtlich.

ob nun genius malignus, matrix, simulation, determiniertheit, freiheit und all das weitere gedankliche gespiel – tief drin liegt der wunsch nach dem großen sprung. der große sprung aus sich heraus, ja über sich hinaus.

kulturüberkommnis durch naturbeherrschung. totalkontrolle in menschenhand.

der dampf der kolben antrieb, damit mechanische arbeit verrichtet. verpackt in eine hülle, war die maschine mit dampf die hand die hunderte von spindeln zur gleichen zeit schwirren lässt, der fuß der räder schneller drehen lässt als füße sich bewegen können sowie der arm welcher den berg zum rohstoff werden lässt.

der der schneller spindelt, fester tritt und mehr vom berg holt – hat gewonnen [renn schneller!]. so geht das spiel jetzt. optimierung des systems bedeutet optimierung der hände, füße und arme – der ausgelagerten körper, die spindeln, treten und wasser schaufeln. maschine mit dampf, bandmaschine die fließt, maschine die rechnet – kulturüberkommnis durch naturbeherrschung.

[Holo-->] Anthropozän | vom ganzen zum menschen.
die maschine ist gewachsen. einseitig gewachsen. einseitig deswegen weil aktuatoren vor rezeptoren stehen. es geht darum auf die welt einzuwirken,
nicht um sie wahrzunehmen. der alte kampf um beherrschung – kulturüberkommnis durch naturbeherrschung.

die erweiterung des menschen in die welt hinein. so weit, dass nicht mehr zwischen nicht- menschlich oder nicht-menschgemacht und menschlich oder menschgemacht unterschieden werden kann. kultur[überkommnis] ist gleich natur[beherrschung].

kausalketten sind angestoßen und ja, es wird komplex.

ein paar symptome des menschlichen einwirken auf die umwelt, zusammengestellt von peter haff:

# exploitation of a large fraction of the Earths land surface for human purposes, 38% of which was agricultural land in 2009 (–>FAO 2011)
# fixation of more athmospheric nitrogen than fixed by all natural terrestrial processes (–>Vitousek et al 1997)
# appropriation of terrestrial organic material equivalent to 40% of net primary production
# extinction of biological species, which, at the current rate exceeds that leading up to the big five mass extinction events of geological history (occurring at the end of the Ordovician, Devonian, Permian, Triassic and Creatceous periods) (–>Barnosky et al 2011)
# interception by dams of 25-30% of global sediment load (–>Vorosmarty et al 2003)
# impoundment of up to 15% of global runoff (–>Nilsson et al 2005)
# consumption of energy at c.20% of the rate of photosynthetic energy flow through the biosphere (–>Sassoon et al 2009)
# expectation of continuated change in Earth function as a consequence of human activity (–>IPCC 2007)
# further warming of the atmosphere
# shifts in the geographical distribution of species
# continued recession of glaciers
# melting of permafrost
# vanishing of late summer Arctic sea ice
# continued sea-level rise

[krankheits]symptome werden über rezeptoren erkannt. schmerzfrei ist dabei jenes, welches keine rezeptoren für den schmerz entwickelt. schmerzfrei ist ebenso jenes, welches zwar rezeptoren für den schmerz besitzt diese information aber nicht weitergeleitet bekommt. schmerzfrei ist letztlich genauso jenes, welches rezeptoren besitzt, schmerzinformation weiterleitet, jedoch kein subjektives empfinden für schmerz entwickelt. es sind diese drei prinzipiellen stufen des

- sensorischen wahrnehmens
- der weiterleitung
- des verarbeitens und eingliederung in ein bewusstsein |> verantwortung als agent

welche die grundvoraussetzung für eine regelung und damit linderung des schmerzes sind. wenn diese afferente bahn als rückkopplung fehlt, wird kein schmerz empfunden. kein schmerz?, klingt gut. der tod kommt dann jedoch auch recht überraschend schnell und vorherige maßnahmen ihn hinauszuzögern oder gar abzuwenden sind nicht möglich. die fähigkeit schmerz zu empfinden ist also lebensnotwendig. er [der Schmerz] ist teil eines regulierungsystems, genannt homöostat. fehlt dem homöostat die [negative] rückkopplung schaukelt er sich hoch und stirbt.

rezeptoren, weiterleitung und verarbeitung [im sinne einer zuordnung zu einem agenten, der als verantwortlicher in frage kommt] sind voraussetzung um den ist-wert festzustellen, der im folgenden mit dem soll-wert abgeglichen wird. die differenz ist dann wiederum das maß für die rückkopplung welche jeder homöostat benötigt; nenne er sich anthropos, biosphäre [gaia] oder techné. – balance

rezeptoren des menschlichen körpers sind über axone direkt mit der verarbeitungseinheit verbunden. aktionspotenziale, die informationsträger der körperrezeptoren stellen eine direkte zuordnung zwischen stimuliertem rezeptor und einer welt[enti | identi]tät dar. die direkte zuordnung von sensorik und der entsprechenden motorik | „sich in der welt bewegen“ erzeugt wahrnehmung und kybernetische Informationsverarbeitung | closed loop, hard wired.

rezeptoren des anthropozänischen körpers sind systemisch entkoppelt von ihrer welt[enti | identi]tät. die informationsträger der rezeptoren sind multimedial, dezentral verteilt und stellen eine neue dimension aus menschensicht dar. die neue dimension legt ihren anker nicht im menschen sondern in gaia.

die disbalance des anthropozänischen körpers ist tiefgreifend. auf den drei stufen der afferenten anthropozänischen körperbahn, kann eines folgendes analysieren.

sensorisches wahrnehmen | rezeptorebene.
es betrifft das internet der dinge und körper. biologische rezeptoren gepaart mit sensorik [eingebettete systeme] konstituieren die erste stufe der vorherig beschriebenen voraussetzung zur ermittlung des ist-wertes und somit zur ermittlung des nötigen maßes zu einer rückkopplung
[normativ vorgegebene soll-werte werden hier zunächst außer betracht gelassen].
: grundstruktur im aufbau

weiterleitung | informationsübertragung
es betrifft big data und multimediale formate. der anthropozänische körper hat im vergleich zum menschlichen nicht nur aktionspotentiale die in axonen wandern, also unimediale weiterleitung, sondern ist medial offen. dies betrifft sowohl die mediale codierung [analog & propositional] als auch die mediale dimension.
: grundstruktur im aufbau

anthropozänische agentenhaftigkeit
es betrifft das individuum als agierender teil eines weiteren netzwerkes. es betrifft hier genauer, das überkommen von einer dualen vorstellung zwischen einer individuellen welt[enti | identi]tät die abgetrennt von einer umgebenden welt[enti | identi]tät steht. es ist die fähigkeit zur systemübergreifenden rückkopplung.
: hierfür sind anthropozänsinne voraussetzung

O Gaia

oo Anthropozänsinn
die sinne des anthropozäns sind die sinne gaias. das individuum, eine kognitive einheit der technosphäre, zusammen als teil der biosphäre. eingebettete systeme, also sensorik und aktuatorik, sind teil der sedimentschicht die es gerechtfertigt den anthropozän als geologische epoche anzusehen. sie sind jedoch auch als sinnesapparat zu verstehen. was wir das internet der dinge nennen ist die anfängliche ausbildung von gaias sinnenesrezeptoren; big data, teil des informationsafferenten systems. das anthropozänische zeitalter erzeugt durch seinen überhang an produktiver einwirkung auf die umwelt einen bedarf an angepasster sensorik. Will eines die Freiheit im anthropozänischen denken, so muss dieses denken die verknüpfungen, also die rückkopplungen und schleifen auf das handeln selbst herstellen um zu begreifen. handlungen geschehen dann nicht nur, sondern sind – im gegensatz zu reflexen – zugleich im anthropozänischen bewusstsein [gaia] inhaltlich begründet.

zwei charakteristika der anthropozänsinne:

o sie setzen sich aus biologischen und technologischen welt[enti | identi]täten zusammen. offene homöostaten, als energetische übergangsstationen.

o sie nehmen gaias perspektive ein. das bedeutet sie agieren kollektiv und sind [zumindest] räumlich nicht gebunden. ihre agenten sind sich ihrer offenen beschaffenheit als teilsystem bewusst und begreifen sich als [energetische] durchgangsstationen, als übergänge, welche im ständigen austausch mit einer erweiterten welt[enti | identi]tät stehen. „to be one is always to become with many“ – akteur und damit verursacher eines zustandes x ist somit der menschakteur im netz | kollektiv. sensorik und rückkopplung von symptomen werden somit beim akteur ebenfalls im netz | kollektiv erfahren und verarbeitet.

anthropozänsinne machen eines deutlich. kulturüberkommnis durch naturbeherrschung schließt den menschen [körper] mitein. der anthropozän zielt nicht allein auf die neuerschaffung der umwelt sondern auf eine neuerschaffung seines selbst. anders betrachtet schließt die neuerschaffung der natur seine eigene automatisch mitein. die selbsterfahrung als haupteinflussfaktor auf die umwelt stellt im weiteren schritt die selbsterfahrung als haupteinflussfaktor auf sich selbst dar. der anthropozän kann sich selbst nicht mehr als natürlich im herkömmlichen sinne erfahren. er ist quell und delta des künstlichen [next|second nature].

der dampf, der kolben antrieb und somit die äußere welt stück für stück erschloss, wirkt auf ihn zurück, verändert ihn von innen heraus. wenn natur gleich kultur, so gilt auch außen gleich innen. die anthropozänsinne, sind in gewisserweise das sensorische äquivalent seiner über das handeln, in die welt gekommenen, welterzeugenden produktivkraft. diese verändert ihn in seiner verfassung und fordert eine, seiner neuerschaffung gemäßen, selbstreflexion. die werkzeuge, die somit außen eingesetzt werden sind gleichzeit werkzeuge die innerlich wirken.

– Balance
[these]der nächste tipping point, also die selbstreflexion als anthropozän samt entsprechender sinne , schließt den regelkreis und bringt gaia als homöostat wieder in balance. erst wenn der ist- wert über eine funktionale rückkopplung von anthropozän- wirken und -sensorik ermittelt wird kann von [gaianischer] balance gesprochen werden.
es geht im kern also um einen systemübergreifenden [mensch - gaia], funktionierenden regelkreis. und wie die technosphäre übergänge mit dem mensch | cyborg schafft [anthropozänsinne] die in ihm agentenhaftigkeit und zugang zur ermittlung des ist-wertes von gaia verschaffen.
die balance besteht dann im Leben in gaia.

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