Der kybernetische Anthropozän in Gaia

_- Disbalance
hier ist [ziemlich] etwas außer balance. insgesamt, global – kosmisch trau ich mich nicht zu sagen. keine zwei waagschalen von denen eine nach unten, die andere das proportional entsprechende stück nach oben hängt.

so einfach ist es nicht.

es ist nicht simpel, nicht kompliziert – es ist komplex. und dennoch offensichtlich.

ob nun genius malignus, matrix, simulation, determiniertheit, freiheit und all das weitere gedankliche gespiel – tief drin liegt der wunsch nach dem großen sprung. der große sprung aus sich heraus, ja über sich hinaus.

kulturüberkommnis durch naturbeherrschung. totalkontrolle in menschenhand.

der dampf der kolben antrieb, damit mechanische arbeit verrichtet. verpackt in eine hülle, war die maschine mit dampf die hand die hunderte von spindeln zur gleichen zeit schwirren lässt, der fuß der räder schneller drehen lässt als füße sich bewegen können sowie der arm welcher den berg zum rohstoff werden lässt.

der der schneller spindelt, fester tritt und mehr vom berg holt – hat gewonnen [renn schneller!]. so geht das spiel jetzt. optimierung des systems bedeutet optimierung der hände, füße und arme – der ausgelagerten körper, die spindeln, treten und wasser schaufeln. maschine mit dampf, bandmaschine die fließt, maschine die rechnet – kulturüberkommnis durch naturbeherrschung.

[Holo-->] Anthropozän | vom ganzen zum menschen.
die maschine ist gewachsen. einseitig gewachsen. einseitig deswegen weil aktuatoren vor rezeptoren stehen. es geht darum auf die welt einzuwirken,
nicht um sie wahrzunehmen. der alte kampf um beherrschung – kulturüberkommnis durch naturbeherrschung.

die erweiterung des menschen in die welt hinein. so weit, dass nicht mehr zwischen nicht- menschlich oder nicht-menschgemacht und menschlich oder menschgemacht unterschieden werden kann. kultur[überkommnis] ist gleich natur[beherrschung].

kausalketten sind angestoßen und ja, es wird komplex.

ein paar symptome des menschlichen einwirken auf die umwelt, zusammengestellt von peter haff:

# exploitation of a large fraction of the Earths land surface for human purposes, 38% of which was agricultural land in 2009 (–>FAO 2011)
# fixation of more athmospheric nitrogen than fixed by all natural terrestrial processes (–>Vitousek et al 1997)
# appropriation of terrestrial organic material equivalent to 40% of net primary production
# extinction of biological species, which, at the current rate exceeds that leading up to the big five mass extinction events of geological history (occurring at the end of the Ordovician, Devonian, Permian, Triassic and Creatceous periods) (–>Barnosky et al 2011)
# interception by dams of 25-30% of global sediment load (–>Vorosmarty et al 2003)
# impoundment of up to 15% of global runoff (–>Nilsson et al 2005)
# consumption of energy at c.20% of the rate of photosynthetic energy flow through the biosphere (–>Sassoon et al 2009)
# expectation of continuated change in Earth function as a consequence of human activity (–>IPCC 2007)
# further warming of the atmosphere
# shifts in the geographical distribution of species
# continued recession of glaciers
# melting of permafrost
# vanishing of late summer Arctic sea ice
# continued sea-level rise

[krankheits]symptome werden über rezeptoren erkannt. schmerzfrei ist dabei jenes, welches keine rezeptoren für den schmerz entwickelt. schmerzfrei ist ebenso jenes, welches zwar rezeptoren für den schmerz besitzt diese information aber nicht weitergeleitet bekommt. schmerzfrei ist letztlich genauso jenes, welches rezeptoren besitzt, schmerzinformation weiterleitet, jedoch kein subjektives empfinden für schmerz entwickelt. es sind diese drei prinzipiellen stufen des

- sensorischen wahrnehmens
- der weiterleitung
- des verarbeitens und eingliederung in ein bewusstsein |> verantwortung als agent

welche die grundvoraussetzung für eine regelung und damit linderung des schmerzes sind. wenn diese afferente bahn als rückkopplung fehlt, wird kein schmerz empfunden. kein schmerz?, klingt gut. der tod kommt dann jedoch auch recht überraschend schnell und vorherige maßnahmen ihn hinauszuzögern oder gar abzuwenden sind nicht möglich. die fähigkeit schmerz zu empfinden ist also lebensnotwendig. er [der Schmerz] ist teil eines regulierungsystems, genannt homöostat. fehlt dem homöostat die [negative] rückkopplung schaukelt er sich hoch und stirbt.

rezeptoren, weiterleitung und verarbeitung [im sinne einer zuordnung zu einem agenten, der als verantwortlicher in frage kommt] sind voraussetzung um den ist-wert festzustellen, der im folgenden mit dem soll-wert abgeglichen wird. die differenz ist dann wiederum das maß für die rückkopplung welche jeder homöostat benötigt; nenne er sich anthropos, biosphäre [gaia] oder techné. – balance

rezeptoren des menschlichen körpers sind über axone direkt mit der verarbeitungseinheit verbunden. aktionspotenziale, die informationsträger der körperrezeptoren stellen eine direkte zuordnung zwischen stimuliertem rezeptor und einer welt[enti | identi]tät dar. die direkte zuordnung von sensorik und der entsprechenden motorik | „sich in der welt bewegen“ erzeugt wahrnehmung und kybernetische Informationsverarbeitung | closed loop, hard wired.

rezeptoren des anthropozänischen körpers sind systemisch entkoppelt von ihrer welt[enti | identi]tät. die informationsträger der rezeptoren sind multimedial, dezentral verteilt und stellen eine neue dimension aus menschensicht dar. die neue dimension legt ihren anker nicht im menschen sondern in gaia.

die disbalance des anthropozänischen körpers ist tiefgreifend. auf den drei stufen der afferenten anthropozänischen körperbahn, kann eines folgendes analysieren.

sensorisches wahrnehmen | rezeptorebene.
es betrifft das internet der dinge und körper. biologische rezeptoren gepaart mit sensorik [eingebettete systeme] konstituieren die erste stufe der vorherig beschriebenen voraussetzung zur ermittlung des ist-wertes und somit zur ermittlung des nötigen maßes zu einer rückkopplung
[normativ vorgegebene soll-werte werden hier zunächst außer betracht gelassen].
: grundstruktur im aufbau

weiterleitung | informationsübertragung
es betrifft big data und multimediale formate. der anthropozänische körper hat im vergleich zum menschlichen nicht nur aktionspotentiale die in axonen wandern, also unimediale weiterleitung, sondern ist medial offen. dies betrifft sowohl die mediale codierung [analog & propositional] als auch die mediale dimension.
: grundstruktur im aufbau

anthropozänische agentenhaftigkeit
es betrifft das individuum als agierender teil eines weiteren netzwerkes. es betrifft hier genauer, das überkommen von einer dualen vorstellung zwischen einer individuellen welt[enti | identi]tät die abgetrennt von einer umgebenden welt[enti | identi]tät steht. es ist die fähigkeit zur systemübergreifenden rückkopplung.
: hierfür sind anthropozänsinne voraussetzung

O Gaia

oo Anthropozänsinn
die sinne des anthropozäns sind die sinne gaias. das individuum, eine kognitive einheit der technosphäre, zusammen als teil der biosphäre. eingebettete systeme, also sensorik und aktuatorik, sind teil der sedimentschicht die es gerechtfertigt den anthropozän als geologische epoche anzusehen. sie sind jedoch auch als sinnesapparat zu verstehen. was wir das internet der dinge nennen ist die anfängliche ausbildung von gaias sinnenesrezeptoren; big data, teil des informationsafferenten systems. das anthropozänische zeitalter erzeugt durch seinen überhang an produktiver einwirkung auf die umwelt einen bedarf an angepasster sensorik. Will eines die Freiheit im anthropozänischen denken, so muss dieses denken die verknüpfungen, also die rückkopplungen und schleifen auf das handeln selbst herstellen um zu begreifen. handlungen geschehen dann nicht nur, sondern sind – im gegensatz zu reflexen – zugleich im anthropozänischen bewusstsein [gaia] inhaltlich begründet.

zwei charakteristika der anthropozänsinne:

o sie setzen sich aus biologischen und technologischen welt[enti | identi]täten zusammen. offene homöostaten, als energetische übergangsstationen.

o sie nehmen gaias perspektive ein. das bedeutet sie agieren kollektiv und sind [zumindest] räumlich nicht gebunden. ihre agenten sind sich ihrer offenen beschaffenheit als teilsystem bewusst und begreifen sich als [energetische] durchgangsstationen, als übergänge, welche im ständigen austausch mit einer erweiterten welt[enti | identi]tät stehen. „to be one is always to become with many“ – akteur und damit verursacher eines zustandes x ist somit der menschakteur im netz | kollektiv. sensorik und rückkopplung von symptomen werden somit beim akteur ebenfalls im netz | kollektiv erfahren und verarbeitet.

anthropozänsinne machen eines deutlich. kulturüberkommnis durch naturbeherrschung schließt den menschen [körper] mitein. der anthropozän zielt nicht allein auf die neuerschaffung der umwelt sondern auf eine neuerschaffung seines selbst. anders betrachtet schließt die neuerschaffung der natur seine eigene automatisch mitein. die selbsterfahrung als haupteinflussfaktor auf die umwelt stellt im weiteren schritt die selbsterfahrung als haupteinflussfaktor auf sich selbst dar. der anthropozän kann sich selbst nicht mehr als natürlich im herkömmlichen sinne erfahren. er ist quell und delta des künstlichen [next|second nature].

der dampf, der kolben antrieb und somit die äußere welt stück für stück erschloss, wirkt auf ihn zurück, verändert ihn von innen heraus. wenn natur gleich kultur, so gilt auch außen gleich innen. die anthropozänsinne, sind in gewisserweise das sensorische äquivalent seiner über das handeln, in die welt gekommenen, welterzeugenden produktivkraft. diese verändert ihn in seiner verfassung und fordert eine, seiner neuerschaffung gemäßen, selbstreflexion. die werkzeuge, die somit außen eingesetzt werden sind gleichzeit werkzeuge die innerlich wirken.

– Balance
[these]der nächste tipping point, also die selbstreflexion als anthropozän samt entsprechender sinne , schließt den regelkreis und bringt gaia als homöostat wieder in balance. erst wenn der ist- wert über eine funktionale rückkopplung von anthropozän- wirken und -sensorik ermittelt wird kann von [gaianischer] balance gesprochen werden.
es geht im kern also um einen systemübergreifenden [mensch - gaia], funktionierenden regelkreis. und wie die technosphäre übergänge mit dem mensch | cyborg schafft [anthropozänsinne] die in ihm agentenhaftigkeit und zugang zur ermittlung des ist-wertes von gaia verschaffen.
die balance besteht dann im Leben in gaia.

Brüder Grimm zur “Markus Rehm Debatte”

Es war einmal ein Mann, der verstand allerlei Künste; er diente im Krieg und hielt sich brav und tapfer, aber als der Krieg zu Ende war, bekam er den Abschied und drei Heller Zehrgeld auf den Weg. “Wart”, sprach er, “das lasse ich mir nicht gefallen, finde ich die rechten Leute, so soll mir der König noch die Schätze des ganzen Landes herausgeben.” [...] Und über eine Zeit sahen sie einen, der stand da auf einem Bein und hatte das andere abgeschnallt; und neben sich gelegt. Da sprach der Herr: “Du hast dir’s ja bequem gemacht zum Ausruhen.” “Ich bin ein Läufer”, antwortete er, “und damit ich nicht gar zu schnell springe, habe ich mir das eine Bein abgeschnallt; wenn ich mit zwei Beinen laufe, so geht’s geschwinder, als ein Vogel fliegt.”

Brüder Grimm, Sechse kommen durch die ganze Welt

Receiving phone calls through a finger

Yesterday, I received my first phone call hearing the caller speaking to me out of my left ring finger. Instead of pressing my clumpy mobile phone onto my ear, I realized it’s far more comfortable to have my finger there. Since the microphone is attached to my wrist, (the posture of) my hand is actually quite similar looking to a telephone. We germans, we always used to call mobile phones “handy”, now this totally makes sense to me.

The ways and forms we use digital technology (especially information and communication technologies) today reminds me on early analogue tool use of human. In order to go hunting you would first have to spend a week with preparing your hunting tools and make everything ready to use. Well, I don’t need a week to type in and get a message sent but still, for me it’s just annoying how we interact with technology. I need to spend way too much of my ressources just for the interaction with current human-technology interfaces.

Thus, invisibility and transparent human use of technology was also the goal for my magnetic finger call project. Using my body to communicate independently from time and space sounds quite attracting to me. The technology itself gets into the background and is used as a vehicle to extend my human/cyborg abilities. My body is literally interwoven with other bodies – the voice of the caller directly stimulates my magnetic finger and speaks to me through my body, quite awesome!

 

 

Wikipedia im Kopf

In einem Interview habe ich davon gesprochen, dass es eine Wikipedia in Zukunft vielleicht nicht mehr nur am Bildschirm vor einem betrachtet werden kann, sondern dass Wissensinhalte auf ausgelagerten Servern als integraler Bestandteil mit menschlichen Gehirnen synchronisiert werden könnten.

Die Frage daraufhin:

Braucht es nicht kristalline Intelligenz für die “Wikipedia im Kopf”? Das ist sowieso meine große Frage betreffend dieser Wissensansammlung im Körper, die ja wertlos ist ohne unsere Fähigkeit sie mit unseren Erfahrungen zu verknüpfen.

Abgesehen davon, dass “Intelligenz” so mit als das schwammigste Konstrukt überhaupt in der ganzen Psychologie gilt, muss man die Fragestellung wohl auch zuerst ein wenig aufdröseln. Wenn wir also von einer Mensch-Maschine Verschmelzung im Sinne einer kollektiven Auslagerung von Wissensbeständen sprechen, so muss erstmal geklärt werden auf welcher Ebene das Ganze stattfinden könnte. Also wie sieht die Schnittstelle zur Integration aus – diese kann auf unterster Ebene elektro-neuronal sein (also direkte Anbindung ans Nervensystem und somit ans Gehirn), sie kann aber auch über extern tragbare Devices wie zum Beispiel über Google Glass ansatzweise realisiert werden (Thad Starner erklärt das hier ganz schön).

Ich will erstmal bei dem zweiten Fall, also den extern tragbaren Devices bleiben, da sich dies momentan schon ganz gut nachvollziehen lässt. Man könnte sich also folgendes Szenario vorstellen:

Man sitzt zusammen, diskutiert ein Thema und ein intelligentes wearable verfolgt den Redefluss und blendet Zusatzinformation an geeigneten Stellen visuell ins Sichtfeld ein. Das ist gar nicht so weit entfernt von dem was viele von uns heute auch schon machen, indem sie nebenher im Gespräch auf der Wikipedia nach etwas suchen und dies dann hinterher in die Diskussion miteinbringen – nur mit dem Unterschied, dass alles in Echtzeit (also während dem Sprechen) erscheint und sofort als “eigener” Inhalt mitverwendet werden kann.

Erfolgt diese Integration also so fließend, sodass man keine extra Unterbrechung zum Nachschauen machen muss, ist zwischen kollektiv und individuell, erfahrungsbasierten Wissensinhalten (genauer Faktenwissen) von außen nicht mehr zu unterscheiden.

Im Falle von Wikipedia sprechen wir ja auch eher von Faktenwissen und nicht so sehr von prozeduralem Wissen (also, Wissen welches unseren Handlungen und Prozessen zunutze kommt). Bei Faktenwissen ist dann auch keine zwangsweise Verknüpfung mit Erfahrungen nötig (was jedoch immer von Vorteil ist). Dieses Wissen könnte über entsprechende Algorithmen, die über Spracherkennung die Kontexte der Unterhaltung erkennen, punktuell Vorschläge machen und zu einer vertiefenden Diskussion beitragen.

Kristalline Intelligenz, also die Intelligenz, die auf unseren Erfahrungen im Leben beruht und nicht als fluide Intelligenz angeboren ist, entwickelt sich ja gerade durch die Interaktion mit unserer Umwelt. Ich würde daher argumentieren, dass ausgelagertes, kollektives Faktenwissen welches nahtlos in uns integriert wird und dadurch automatisch mit den jeweiligen Kontexten verknüpft wird, als Teil einer kristallinen Intelligenz angesehen werden kann. Sie ist dann eben nicht mehr individuell, sondern kollektiv erzeugt.

 

Die Poesie des Dazwischen

Geburtstagsfeier, Samstagabend, kurzer Blick auf die Uhr – ich bin zu spät. Kurz zum Späti um die Ecke, der Bio Rotwein im weißen Blechregal lacht mich schon an. Am Zielort angekommen ist die Küche schon vollbesetzt, ich schnapp mir also den Klappstuhl im Flur und setz mich schön mitten in die Tür. Niemand sitzt hier gerne, man versperrt den Durchgang und fühlt sich weder den Gesprächen in der Küche, noch den zufälligen Begegnungen auf dem Hausflur oder gar der anderen Räume zugehörig.

Dabei hat dieses sich dazwischen Befinden auch seine Vorteile, ja ist vielleicht sogar das Spannendste überhaupt wenn man sich drauf einlässt – mehr dazu nun im folgenden Artikel.

Der Mensch, der binäre Denker, hält sich nun mal nicht gern in unklaren Zwischenräumen auf sondern fühlt sich wohler in klar abgegrenzten Räumen und Begriffen. Die menschliche, verbale Kommunikation mit ihrem begrenzten Wortschatz trägt diese Notwendigkeit schon in sich selbst. Sie stellt, ebenso wie alles andere menschlich empfangbare nur eine Approximation der Wirklichkeit dar. Das binäre Denken, das Denken in Gegensätzen, stellt somit auf erste Sicht eine Bedingung für den Menschen dar, um die Komplexität der Umwelt auf ein Maß und eine Struktur zu reduzieren, dass wir uns unsern Reim draus bilden können.

Um auf der Slackline des Lebens zu balancieren, so scheint es, brauchen wir diese Gegensätze, die uns Abwägungen und Entscheidungen zum Einen oder zum Andern erst ermöglichen.

Die Schwammigkeit und Unklarheit des Zwischenbereichs jedoch, gilt es zu meiden. Das was zwischen den gedachten Polen liegt, stellt das unbeherrschbare Chaos, das Unausdrückbare und nicht Greifbare dar. Bedingt durch seine unstete, nur relativ betrachtbare Natur ist das Dazwischen nur schwer vermittel- und begreifbar. Es ist wohl genau diese deterministische Anarchie, die den Zauber des Dazwischen, der Schnittstelle ausmacht.

Sichten auf das Dazwischen

Ohne eine kulturelle Verallgemeinerung anzustreben, möchte ich dennoch im Folgenden, im Sinne der Wortherkunft, drei verschiedene Sichtweisen auf das Dazwischen erläutern.

Das im letzten Absatz bereits eingeführte Wort „Schnittstelle“ bezeichnet im Deutschen den Zwischenbereich um den es im vorliegenden Artikel geht. Dieses Wort besteht zunächst aus zwei Teilen – dem Schnitt und der Stelle. Einen Schnitt zu machen bedeutet, ein vorher Ganzes in Teile zu zerlegen. Mit dem Schnitt geht also immer auch eine Teilung oder eine Trennung einher. Der zweite Teil, die Stelle, drückt ein spezifisch lokalisierbaren Teil des Ganzen aus. Die Stelle beinhaltet dabei eine gewisse nicht-Beliebigkeit sondern wird gezielt unter all den andern Stellen ausgewählt. Die Schnittstelle, so könnte man folgern, fokussiert auf eine gezielte Trennung eines Ganzen.

Als zweite Erläuterung des Dazwischen, möchte ich die englische Übersetzung der Schnittstelle hernehmen – das „Interface“. Wieder haben wir es streng genommen mit zwei Wörtern zu tun – Inter und face. Entsprechend der lateinischen Wortherkunft lässt sich dabei das inter mit „zwischen“ und face bzw. facies mit „Aussehen“ übersetzen. Das Interface an sich bezieht sich hier also auf das Aussehen oder auch die Form des Dazwischen. Es nimmt dadurch, verglichen mit dem stark trennenden Merkmal der deutschen Schnittstelle einen eher neutral, beschreibenden Standpunkt ein.

Neben der deutschen und englischen Betrachtung, soll nun auch noch eine dritte, eine etymologische Sicht der persischen Übersetzung dienen – dem „barkhord“. Eine wortwörtliche Übersetzung käme dem deutschen Wort „Zusammenstoß“ sehr nahe.

Während bei der Schnittstelle das Trennende betont wird, meint der Zusammenstoß das Verbindende – ein Perspektivwechsel um 180 Grad.

Der wortwörtliche Umgang verschiedener Kulturen mit dem Dazwischen, zeigt grundsätzliche Unterschiede auf. Während im Deutschen die Betonung auf dem Trennenden liegt, bezieht sich das Englische auf den Kern, das Aussehen bzw. die Form des Dazwischen. Demgegenüber, stellt die persische Sicht eine der deutschen entgegengesetzte Perspektive dar. Sie betont das verbindende Element des Dazwischen und bezieht somit einen eher konnektivistischen Standpunkt eines beliebigen Gesamtsystems. Offensichtlich beschreiben diese drei exemplarisch dargestellten Perspektiven, ein und Dasselbe – eben nur aus verschiedenen, kulturell bedingten Blickwinkeln.

Um der Natur der Schnittstelle auf die Schliche zu kommen bzw. die tieferliegenden Gemeinsamkeiten der eben genannten Perspektiven herauszuarbeiten ist eine abstrahierte Sicht wohl unumgänglich.

Der Versuch, die Schnittstelle dabei zu lokalisieren, sie abzugrenzen scheint aus ihrer Natur heraus zum Scheitern verurteilt. Sie entzieht sich dem menschlich üblichen Denken in Gegensätzen und lebt aus dem Dazwischen. Sie definiert sich dabei unterschiedlich, abhängig von dem Abstraktionslevel, dem Maßstab den man an sie anlegt. Sie agiert auf allen Dimensionen und lässt Kategorien und Elemente in sich verschmelzen. Die Frage nach der Natur der Schnittstelle müsste sich also vielmehr darum drehen, ob es außer Schnittstellen noch etwas anderes gibt, da wir nun mal in einem ständigen Flux, in stetiger Veränderung leben. Dort wo Austausch stattfindet, dort gibt es auch Schnittstellen. Sei es auf molekularer Ebene oder zwischen dem Finger und dem Smartphonescreen – also immer nur eine Frage des angelegten Maßstabs. Es ist dann auch einsehbar, dass das Dazwischen nur mithilfe der Zeitdimension überleben kann, der Austausch kann nur über die Zeit passieren. In diesem stark prozessualen Charakter liegt wohl auch ein Großteil ihrer Identität vergraben, die Algorithmen und Gesetze die sie antreibt bestimmen ihre Persönlichkeit. Das anfänglich beschriebene Chaos des Dazwischen ist daher ein stark deterministisches System, die Schnittstelle nichts weiter als der total ergebene Diener seiner zugrundeliegenden, kausalen Strukturen.

Die Schnittstelle handelt also immer nur innerhalb eines Gesamtsystems, ist damit dem jeweils übergeordneten System unterstellt und agiert als eine Art Vermittler. Die Vermittlungsleistung bezieht sich dabei auf jegliche Energiezustände, die sie in die Hände bekommt. Bedingt durch ihre deterministischen Strukturen wandelt sie die Zustände um und erschafft dadurch Neues. Dieses charakterliche Merkmal, welches das Erschaffen in den Vordergrund rückt, zeigt die Poesie (griechisch „poiesis, „Erschaffung“) der Schnittstelle.

Die Poesie des Dazwischen

Wer also die Poesie sucht, sollte sich auf die Zwischenbereiche konzentrieren. Die Übersetzung und damit Kommunikationsbedingung für verschiedene Energiezustände findet im Dazwischen statt. Dort wo die Grenzen zu Brücken, die Trennung zu Verbindung verschmilzt wird der Tanz des Neuen vollzogen. Das was nach außen als pure Magie erscheint, macht ihr Wesen aus und entsteht aus den jedoch wohl gar nicht so magischen festen Regeln und Gesetzen. Die Verwandlung die sich in den Zwischenräumen vollzieht, die unendlich vielen Formen („facies“) die in die Zwischenräume fließen und aus ihr herauskommen, sie begründen die Quelle der Poesie des Dazwischen.

Zwischen Mensch und Maschine

Ausgehend von diesem poetischen, erschaffenden Charakteristikum der Schnittstelle, soll nun ein Abstraktionssprung gewagt werden, welcher das Dazwischen zwischen Mensch und Maschine beleuchtet. Der Durchsetzung der Schnittstelle auf allen Ebenen geschuldet, ist der Mensch nun auch ein komplexes Teilsystem, bestehend aus Schnittstellen. Dies menschliche Teilsystem, bestehend aus Organen, Informationsleiterbahnen, neuronalen Aktivitätspotentialen und vielen weiteren Subsystemen und Kommunikationsvernetzungen besteht wie seine erweiterte Umwelt aus einem System bestehend aus Schnittstellen. Nimmt man also die Sicht des Dazwischen ein, macht die strenge Unterteilung in Körper und Außer-Körper keinen Sinn. Die Haut, die unseren Körper dabei umzieht ist wohl eine der mächtigsten, zumindest bezüglich ihrer Oberfläche, Schnittstellen überhaupt des Teilsystems Körper. Ihr daher eine trennende, vermeintlich identitätsstiftende Funktion zuzuschreiben gründet sich wohl nur auf das eingangs beschriebene binäre Denken des Menschen. Dort wo ein Innen und Außen unterschieden werden kann, nur dort kann ich mich auch selber verorten und mich identifizieren (siehe auch hier). Wird die Grenze jedoch nur als eine weitere Schnittstelle bzw. Übergang gesehen, verschwindet meine ursprüngliche Identifikationsgrundlage und ich finde meinen Körper eingebettet in einem unendlichen Meer von weiteren Schnittstellen. Meine Identität wechselt also von einem geschlossenen System zu einem offenen System, welches sich durch die Austauschplattformen definiert die ihm zur Verfügung stehen.

Diese Schnittstellen können biologischer Natur sein, wie die Rezeptoren der Haut, die Stäbchen und Zäpfchen auf der Retina oder können mit Hilfe von Technik bestehen. Das erschaffende Charakteristikum der Schnittstelle kennt keine Gegensätze sondern verwendet das zur Verfügung stehende. Die Verwendung von Technik in Verbindung mit der Biologie des Körpers, macht die Durchlässigkeit des Körpers offensichtlich. Während der biologische Körper seine Schnittstellen auf die direkt umgebenden Teilsysteme optimiert hat, bieten technische Körperschnittstellen die Möglichkeit bestehende Dimensionsgrenzen, die zumindest in der bewussten menschlichen Wahrnehmung bestehen, aufzuheben. Der Mensch ist integraler Bestandteil seiner Umwelt, er ist ein Teilsystem eines größeren Systems und definiert sich dabei auf Grundlage der ihm zur Verfügung stehenden Schnittstellen.

Make soliloquizing funnier

A guide for a robot finger hack

I think people should more listen to their fingers. Why? you ask. What in the world fingers could tell you? well, a lot…

But first things first.

Half a year ago I went to a body modification studio and got a tiny little neodym-magnet implanted into my left ring finger.  Besides pure curiosity, I was totally fascinated by the chance of new research topics coming out of that little body intervention. I thought and expected a new way of sensing more aspects from my environment, magnetically controlling some external devices like my smartphone and alike. But the possibility of actually transmitting audio signals via induction to the magnetic finger was surely not in mind at the beginning.

Since the grinder, bodyhacker, cyborghacker (or whatever other term you will find) community is growing bigger and bigger, remix and modification of modification culture within the scene is also becoming richer and richer. Did I say “richer”? yes, that brings me to the guy who inspired me to do the robot finger hack – Rich Lee. He implanted a magnet into his ear lobe, so that he can transmit audio information via a necklace directly to his magnetic ear lobes and can listen to music without earphones.

How does that work?

Basically it´s all about oscillations of the magnet, leading to a hearable event. To demonstrate that in a more tangible way, let´s first have a look how speakers work.

speaker

Good old Mr Faraday not only discovered his cage but also made his contribution that  we can go to Berghain and enjoy some nice bass waves massaging our bellies. He therefor began to make experiments with electricity and magnetism, showing that every live conductor automatically builds up a magnetic field around itself. Now, if that´s the case that means that if current runs through the coil, the coil builds up the magnetic field around itself and since it is surrounded by a static magnetic field from the magnet it moves up and down in the rhythm of the audio signal (current). Having the coil connected to the speakers membrane, this vibrating movement is exactly what you hear when the vibes coming through the air to your ear (or belly). Great!

Finger magnet producing sound

In the speaker example the magnet always stands still and the coil is the vibrating element. With the finger hack it´s the other way around. Here you have the coil standing still (i.e. around your neck or your wrist) sending the vibes (electromagnetic waves) to your loosely floating magnetic implant (whatever site of body). The magnet grabs up the waves and vibrates like the coil in the speaker example and yes, YOU CAN HEAR IT! (even if it´s not comparable with berghain sound, it´s there).

Robot finger hack

Now it´s only a small step further to develop some fun stuff to get your finger speaking to you in whatever way or mode you want. I prefered a robot voice coming out there. If you want to build it yourself, here´s the schematic to do so.

robot_finger

I simply used the HT8950 Voice Modulator IC (the 16 Pin version). It´s a chip which provides several steps to shift the frequency of an input voice, producing a vibrato or robot effect. There is also a built-in microphone amplifier included, so you can easily “speak” with it. Then it´s just about to connect it to an amplifier. Depending on the gain you would like to have (options between C10 and PIN8 of amp are: 1,2kOhm for gain = 50, bridge it for gain = 200 [recommended] or remove it completely if you´re fine with a gain of 20) you should also consider putting a small heat sink onto the LM386. Use thermally conductive paste if you want to do so. I haven´t used it for a longer period of time but you´re better off if you give the IC more surface to breathe. Connect a 9V monobloc battery to it, get your coil connected (I made 30 winds) and listen carefully what your robot finger tells you – like for example these guys: video